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05. Juni 1985
Sehr geehrte Frau Schaub
Wenn ich vor einem Kiosk stehe, sehe ich kaum Zeitschriften-Titelblätter, welche nicht irgendeine Diät anbieten.
Ihre Diät, oder besser gesagt Ihre Ernährungsvorschläge, sind OK. Menüs müssen Sie doch bringen, damit die Leute sich auf diese Ernährungsweise einstellen können. Eigentlich ist es kaum eine andere Kost als die, die wir vor und während dem Krieg hatten, zumindest bei mir zu Hause. Damals waren Kartoffeln im Brot eine amtliche Vorschrift.
Als mein Arzt Gicht feststellte, wollte ich ohne seine Medikamente auskommen. Im Reformhaus kaufte ich dann sämtliche Literatur zusammen, die mir helfen sollte. Ich ass nur noch Vollkornprodukte, Rohkost, trank Apfelessig mit Honig, ersetzte das Fleisch durch Quark, Hüttenkäse und Yoghurt. Die Schmerzen wurden schlimmer. Nicht nur Gicht plagte mich, sondern der ganze Körper tat weh (wie überall Muskelkater). Als Begleiterscheinung bekam ich trockene Haut und Mitesser an Nase und Kinn. Einzig die Blähungen und Gase verschwanden durch die Trennkost. Trotzdem wechselten sich Verstopfungen und Durchfälle ab.
Eine Bekannte riet mir, auf Vollkorn zu verzichten. Ich ass weisses Brot und weissen Reis. Resultat: Verstopfungen oder klebriger Stuhl, den ich mit Mühe und unvollständig herausbrachte. Schmerzen hatte ich weiterhin, aber weniger. Da kam mir vor einem Jahr das Buch von Pierre Pallardy in die Hände. Ich lebte danach. Also keine saure Milchprodukte, keine saure Früchte oder Gemüse, kein Blumenkohl, Rosenkohl, Spinat, Tomaten und Spargeln, kein Weissmehl, Zucker oder Schokolade. Seither geht es mir gut. Aber sobald ich Mehlspreisen, Reis oder Süsses esse, geht es mir schlechter, auch nehme ich zu.
Fleisch esse ich nur noch auf Besuch oder Reisen. Ich habe es ohnehin nicht besonders gern. Das Eiweiss decke ich mit Eier, Käse und Sportlereiweiss (80 % und ohne Purin). Ohne Mehl und Reis stopfen Bananen nicht. Die esse ich zwischen den Mahlzeiten, oft bis 4 Stück pro Tag.
Meine Mahlzeiten sehen so aus:
- Morgens ein Eiweissdrink, dazu Früchte und 3 Mal pro Woche 1 LöffeliNuss- oder Mandelpüree
- Mittags in der Kantine Salat oder Gemüse mit 1–2 mitgebrachten Eiern, ev. Käse
- Abends ein Kartoffel- und Gemüsegericht mit ein wenig Käse, manchmal nur "Gschwellti" mit Butter und Käse
Auf alle Fälle jeden Tag ein wenig Butter, Rahm, Sonnenblumen- oder Olivenöl (nie Margarine). Hie und da Dörrobst, und Alkohol nur in Gesellschaft. |